Weltreligionstag
Stuttgart 2002


Teilnehmer des Podiumgesprächs:

Meinhard Tenné
Zentralrat der Juden

Dr. Paul Köppler
Deutsche Buddhistische Union

Prof. Urs Baumann
Universität Tübingen, Ökumenische Forschung

Dr. Nadeem Elyas
Zentralrat der Muslime

Christopher Sprung
Nationaler Geistiger Rat der Bahá'í

Johannes Frühbauer
Stiftung Weltethos

Dr. Andreas Rössler
Moderation


 

Hintergrund

Presse 2000/2001

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Begegnung
der Kulturen


 


 

 

Für einen Dialog der Kulturen
Interkultureller Rat Deutschland

Weimarer Erklärung der Religionen
Oktober 2001

 

 
 

Seit 1996 hat der Interkulturelle Rat in Deutschland dazu aufgerufen, anlässlich des Tages der Deutschen Einheit Veranstaltungen mit interreligiösen Begegnungen durchzuführen.
Im Jahr 2001 wird in einer gemeinsamen Erklärung angeregt, den Dialog der Kulturen und Religionen zu fördern, dem im Zusammenhang mit den Terroranschlägen gegen die USA eine besondere Bedeutung zukommt.


Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2001 zum "Jahr des Dialogs der Kulturen" erklärt. Damit benennen sie eine der drängendsten Herausforderungen der Menschheit:

· In allen Erdteilen werden kulturelle und religiöse Empfindungen missbraucht, um Konflikte anzuheizen und um partikulare Interessen durchzusetzen: in Nordirland wie im Sudan, im ehemaligen Jugoslawien wie in Indien, im Nahen Osten wie in Indonesien. Die friedenssuchenden Kräfte haben es schwer, öffentliche Aufmerksamkeit zu finden.

· Als Folge der verheerenden Anschläge gegen die USA wird mancherorts die Angst vor dem Islam gezielt geschürt. Es wird vom "Kampf der Kulturen" gesprochen statt Dialoge für Gerechtigkeit und ein friedliches Miteinander zu stärken.

· Auch in Deutschland ist das Konfliktpotential vorhanden: Anschläge auf Moscheen, Entweihung jüdischer Friedhöfe, rechtsradikale Angriffe auf "Fremde", Verherrlichung von Gewalt sind ein Angriff auf die Menschenwürde und die Achtung religiöser Überzeugungen, die unser Grundgesetz schützt. Die vielfältigen positiven Initiativen treten zu wenig ins Bewusstsein.

Die Vereinten Nationen wollen die Kulturen und Religionen mit ihrer Vielfalt und lebensschöpferischen Kraft in einen umfassenden Dialog miteinander bringen. Sie unterstreichen damit die Anliegen, die der Interkulturelle Rat in Deutschland seit Jahren verfolgt.

Alle Menschen guten Willens - und besonders die Religionsgemeinschaften - rufen wir deshalb auf:

· Lasst euch von Terroristen nicht instrumentalisieren. Wirklich religiöse Menschen lehnen Gewalttaten ab und sind keine Fanatiker.

· Nehmt ernst, was unsere Religionen gebieten und was Grundgesetz und Menschenrechte fordern: Schützt den Fremden!

· Sucht das Gespräch mit denen, die aus anderen Religionen und Kulturen kommen, erzählt euch gegenseitig von den Traditionen und Bräuchen, die euer Leben reich machen. Bemüht euch aber auch, diejenigen, die andere verachten und ausgrenzen, zu einer anderen Sichtweise zu gewinnen.

· Führt Begegnungen herbei: Die Initiative "Lade deine Nachbarn ein" der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, des Zentralrates der Juden in Deutschland und des Zentralrats der Muslime in Deutschland sowie die "Integration"-Initiative der Baha'i haben gezeigt, wie hilfreich das offene Zusammenkommen, das Sich-Kennenlernen, der gegenseitige Austausch über die Lebensformen und -erfahrungen ist.

· Entdeckt den Reichtum der Kulturen, die inzwischen bei uns zu Hause sind: in Musik und Tanz, in Essen und Erzählen, in Festen und Feiern, in religiösen Symbolen und Überzeugungen.

· Macht die Vielfalt der Kulturen zum Thema in euren Gemeinden, in Kindergärten und Schulen, in den Kirchen, Moscheen und Synagogen.

· Hört bei Problemen die Gegenseite, informiert euch authentisch, gebt euch nicht mit billigen Parolen zufrieden.

· Lasst euch von auftretenden Konflikten nicht entmutigen, die Begegnungen fortzusetzen.

· Arbeitet daran, dass eure Gemeinden und Religionsgemeinschaften Orte einer Kultur der Lebensachtung, der Partnerschaft, der Gerechtigkeit und der Wahrhaftigkeit werden, wie es die Erklärung zum Weltethos des Weltparlaments der Religionen zur Aufgabe macht.

Am Tag der Deutschen Einheit feiern wir die Ablösung eines staatlichen Systems, das einen offenen Dialog von seiner Doktrin her lange behindert hat. Die Muslime in Deutschland bieten am 3. Oktober einen "Tag der offenen Moschee" an, der in diesem Jahr unter dem Motto "Muslime - Partner gegen Rassismus" steht und damit Anregungen des Internationalen Jahres gegen Rassismus 2001 aufgreift. Wir regen dazu an, die Türen allseits zu öffnen und der Begegnung, dem Dialog und der Zusammenarbeit neue Räume zu geben.

Weimar, 2. Oktober 2001


Dr. Nadeem Elyas,
Zentralrat der Muslime in Deutschland

Dr. Michel Friedman,
Zentralrat der Juden in Deutschland

Prof. Dr. Johannes Lähnemann,
Weltkonferenz der Religionen für den Frieden (WCRP/BRD)

Dr. Jürgen Micksch,
Interkultureller Rat in Deutschland

Turgut Öker,
Föderation der Aleviten-Gemeinden in Deutschland

Barbara Rudolph,
Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK)

Christopher Sprung,
Nationaler Geistiger Rat der Baha'i in Deutschland

Dr. Alfred Weil,
Deutsche Buddhistische Union


Herausgegeben vom Interkulturellen Rat in Deutschland, Riedstraße 2, 64295 Darmstadt
Telefon 06151-339971 | Telefax 06151-3919740
info@interkultureller-rat.de | www.interkultureller-rat.de
Nachdruck gern gestattet!

 

Erklärung vom 28. September 2000: Gemeinsam gegen Gewalt (Faltblatt)

 

 


 
 

 


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