Evangelisches Gemeindeblatt Württemberg
Ausgabe 5/2004, 01.02.2004


Gott ist immer größer

Monotheistische Religionen beim Stuttgarter Weltreligionstag

Der Grundsatz ,,Gott ist immer größer“ verband die Gesprächspartner der vier monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam und Bahaismus beim ,,Weltreligionstag“ in Stuttgart am 25. Januar. Bei dem von der Bahai Gemeinde in Stuttgart veranstalteten Podiumsgespräch zum Thema ,,Glauben alle an denselben Gott?“ war der Weiße Saal des Neuen Schlosses fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

„Gott ist immer größer als alle Vorstellungen von ihm“, sagte der katholische Theologieprofessor Urs Baumann (Tübingen). Wer sein eigenes Gottesverständnis mit der letzten Wirklichkeit selbst gleichsetze, mache Gott zum Götzen. ,,Gott ist nicht beobachtbar, nicht fassbar. Religionswissenschaftlich können nur Erfahrungen klar gemacht und Texte gelesen werden“, meinte Michael Blume, Referent im Staatsministerium Baden-Württemberg und Mitbegründer der Christlich-Islamischen Gesellschaft Region Stuttgart.

Das muss aber nicht heißen, man könne positiv gar nichts von Gott aussagen. Der württembergische Landesrabbiner Netanel Wurmser (Stuttgart) sprach nachdrücklich von dem ,,einen, einzigen, ewigen Gott“ und fügte hinzu: ,,Der Glaube an die Einheit und Einzigkeit des Schöpfers kann in unserer Welt nie zerstört werden.“ Der Islamwissenschaftler Imam Bekir Alboga (Mannheim) meinte, jeder Mensch könne ,,Gott im Innersten seines Herzens spüren und verehren“. Dem Orientalisten Armin Eschraghi (Frankfurt am Main), einem Bahai, war es wichtig, dass Gott zu verschiedenen Zeiten durch Boten und Propheten zu den Menschen spricht.

Als das besondere christliche Profil skizzierte der Stuttgarter evangelische Prälat Martin Klumpp die Lehre von der Dreieinigkeit (Trinität) des einen Gottes. Er legte die Trinität als Zusammenfassung dreier Punkte aus, in denen sich die monotheistischen Weltreligionen einig seien: ,,Erstens ist Gott ist der Schöpfer der Welt und unseres Lebens. Zweitens offenbart sich der eine, ewige Gott in der Welt. Drittens ist Gott jetzt hier, wenn wir uns verstehen und lieben können. Diese drei Punkte nennen wir Christen Vater, Sohn und Geist.“ Baumann bemerkte im Blick auf den ,,Herrgottswinkel“ in manchen katholischen Kirchen, die Trinität sei falsch verstanden, wenn man den gekreuzigten Jesus als Gott ansehe. Klumpp verwies, um solche Missverständnisse zu vermeiden, auf das altkirchliche Dogma von der menschlichen und der göttlichen Natur in Jesus Christus. Diese beiden Naturen seien zu unterscheiden. Sie dürften nicht vermischt werden.

Weitere Horizonte des Themas konnten nur angedeutet werden: ,,In der säkularistischen Gesellschaft wird die Religion in die Ecke gestellt“, sagte Klumpp, und Baumann wies darauf hin, dass die ,,Transzendenz-Vorstellungen von der kosmischen Energie bis zum persönlichen Du reichen“.

Andreas Rössler