Weltreligionstag
Stuttgart 2002


Weitere Teilnehmer des Podiumgesprächs:

Meinhard Tenné
Zentralrat der Juden

Prof. Urs Baumann
Universität Tübingen, Ökumenische Forschung

Dr. Nadeem Elyas
Zentralrat der Muslime

Christopher Sprung
Nationaler Geistiger Rat der Bahá'í

Johannes Frühbauer
Stiftung Weltethos

Dr. Andreas Rössler
Moderation


 

Erklärungen des Interkulturellen Rats

Presse 2000/2001

Presse 2002

Links

Homepage 2002

Aktuelle Homepage

 

 


Dr. Paul Köppler


 

 

 
 

Dr. Paul Köppler
Deutsche Buddhistische Union (Interreligiöser Sprecher)

Statement
«Religionen gemeinsam gegen Gewalt»

 
 


Die Anschläge in Amerika, der Krieg in Afghanistan und die drohenden Gefahren für die Menschheit haben wie kein anderes Ereignis der letzten Jahrzehnte die Menschen in aller Welt bewegt. Die Frage ist, welche Antworten haben spirituelle Richtungen, Religionen, Heilswege und weise Menschen welche Richtung sollen wir einschlagen und was können wir tun?
Viele Lehrer, Lehrerinnen, Institutionen und religiöse Menschen haben sich zu Wort gemeldet. Folgende Tendenzen halte ich für überlegenswert und hilfreich.

Erstens: Gewalt kann nicht durch Gewalt besiegt werden, Hass nicht durch Hass, sondern nur durch Liebe. Thich Nhat Hanh sagt, wer mit Gewalt reagiert tut Unrecht, Kirchen warnen vor der Spirale der Gewalt, eine spirituelle Zeitschrift schreibt: Liebe ist die Antwort. Dennoch muss man erkennen, dass für die meisten Menschen gerade dieses Prinzip am schwersten anzuwenden ist und die meisten Ängste auslöst. Das geschieht, wenn diese Ansicht als eine höchste ethische Forderung an uns gestellt wird. Geistige Lehrer wie der Buddha zeigen uns jedoch, dass damit ein Lebensgesetz beschrieben wird. Es soll uns darauf aufmerksam machen, dass wir nur das ernten können, was wir an (geistigen) Samen ausstreuen.

Zweitens: Schreckliche Ereignisse sollten uns dazu führen, tiefer zu schauen, nicht nur die Oberfläche, nicht nur Gut und Böse zu sehen, sondern die wahren Ursachen und Wurzeln von Gewalt und Hass zu sehen. Auch hier werden geistige Gesetze angesprochen. Man kann vergangene Ursachen erkennen. Ohne wieder ins Verurteilen zu fallen muss man feststellen, dass viele Grundlagen der westlichen Politik und Wirtschaft, wie Ausbeutung, Ungerechtigkeit, Machtstreben, Überheblichkeit, Unterdrückung und Gewalt der ideale Nährboden für Terror und Fundamentalismus ist. Man kann auch erkennen, dass die Grundlagen in unserem eigenen Geist liegen. Der Buddha sagt, dass wir generell von den drei Krankheiten Gier, Hass und Dummheit befallen sind, aus denen wir uns jedoch befreien können. Das ist allerdings keine einfache Arbeit und bedarf einer umfassenden Schulung, einer Bereitschaft, alles loszulassen vor allem auch die eigenen (besonders die religiösen) Überzeugungen und Ansichten.

Drittens: Was können wir aus den Ereignissen lernen, worin liegen die Chancen? Jemand sagte, dass nach dem Anschlag auf New York nichts mehr so sein wird, wie es vorher war. Tatsache ist, dass niemals etwas so ist, wie es vorher war. Der Buddha beschreibt das als eine der notwendigen Einsichten auf einem spirituellen Weg: Alles ist vergänglich, nicht bleibt auch nur einen Moment so, alles ist dem Zerfall unterworfen. Erschütterung über die generelle Unsicherheit des Lebens kann zu treibenden Kraft werden, nach dem unvergänglichen, inneren Frieden zu streben.

Wenn in uns selbst die Tendenzen von Hass, Wut, Rache, Vergeltung, Zerstörung liegen, wie können wir von der Welt und den anderen ein friedliches Verhalten verlangen? Die Erkenntnis der eigenen Unvollkommenheit ist der erste und wesentliche Schritt zur eigenen Transformation dieser Kräfte.

Solche Ereignisse zeigen auch, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wer hat nicht das Leid der betroffenen Menschen auch in sich gespürt. Ein Fotograf schreibt, noch nie hätte er die Menschen in New York so offen, so im Kontakt miteinander erlebt. Die geistigen Gesetze sagen, dass wir überhaupt nicht voneinander getrennt sind, dass wir in Wirklichkeit nur wie die Wellen in einem Ozean sind. Für kurze Dauer meinen wir eine eigenständige Individualität zu haben, aber wir sind alle aus dem gleichen Element gemacht, kehren dahin zurück.

Viertens: Alle geistigen Erkenntnisse machen nur dann Sinn, wenn Sie in unserem Handeln Ausdruck finden. Solange wir die eigene Verblendung noch nicht beseitigt haben, ist es sicher hilfreich sich zu bemühen nach bestimmten ethischen Werten zu leben. Wir finden ausgezeichnete Anweisungen in den fünf oder vierzehn Richtlinien von Thich Nhat Hanh, aber auch im Weltethos oder in der neuen Erd-Charta. Im Grunde weisen sie alle auf einen Maßstab hin, der von Buddha so formuliert wurde: Wir sollten selbst prüfen, ob unser Denken und Handeln für uns und andere hilfreich und heilsam ist.

Was können wir tun? Zunächst ist es wichtig, dass wir dringend an der Veränderung unseres eigenen Bewusstseins in Richtung Verstehen und Mitgefühl arbeiten und uns darin unterstützen. Deswegen ist ein Rückzug, eine Besinnung, eine gemeinsame Meditation keine Abkehr von der Welt sondern eine ganz wichtige, gegenseitige Hilfe auf dem Weg zum Frieden. Deswegen sind gemeinsame Meditationen und ein verstärktes Bemühen, jeden Tag die eigenen positiven Kräfte zu entwickeln und in die Welt zu senden so wichtig. Der Buddha sagt, die Kraft der Liebe im eigenen Herzen zu allen Wesen hat eine Energie, die die Energie der Sonne bei weitem übertrifft.

Der daraus folgende Schritt heißt, konkret zu handeln. Es heißt, mit Menschen zu sprechen, Wege aufzeigen, sich an Politiker und Verantwortliche zu richten, es heißt Zeugnis abzulegen, vielleicht auch auf die Strasse zu gehen, sich zu zeigen auf jeden Fall, die Stimme zu erheben und mit guten Beispiel voranzugehen. Angesichts der drohenden Gefahren und der grenzenlosen Überheblichkeit von Politik und Wirtschaft fühlen wir uns oft hilflos. Aber wir sind es nicht. Nur wenige von uns können wirklich etwas in der selbst Sache bewirken. Aber wir können beginnen, in unserem Umfeld noch achtsamer darauf zu werden, wie wir mit den Geschenken unserer Erde umgehen, wie viel Benzin wir verbrauchen, wie viele Abfälle wir produzieren. Auch das gehört dazu.

Spiritualität bedeutet nicht sich nur zurückziehen und "Nichts-Tun", sondern es bedeutet sich weise, liebevoll aber durchaus aktiv zu engagieren, zu zeigen, dass wir da sind, in unserem Geist, mit dem Wort und manchmal auch mit dem Stock, mit dem wir und wehren, um uns und andere vor unheilsamen Handlungen zu bewahren.

 

Links
Deutsche Buddhistische Union
Meditationslehrer Dr. Paul Köppler


 

 



Veranstalter:

Arbeitskreis für den Weltreligionstag
Bahá'í Gemeinde Stuttgart
Friesenstr. 26 - 70435 Stuttgart
Tel. (07 11) 80 60 71 47

 
 

 


stuttgart@weltreligionstag.de