Weltreligionstag
Stuttgart 2002


Weitere Teilnehmer des Podiumgesprächs:

Dr. Paul Köppler
Deutsche Buddhistische Union

Prof. Urs Baumann
Universität Tübingen, Ökumenische Forschung

Dr. Nadeem Elyas
Zentralrat der Muslime

Christopher Sprung
Nationaler Geistiger Rat der Bahá'í

Johannes Frühbauer
Stiftung Weltethos

Dr. Andreas Rössler
Moderation


 

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Meinhard Tenné


 

 

 
 

Meinhard Tenné
Zentralrat der Juden (in Vertretung des Präsidenten Paul Spiegel)

Statement
«Religionen gemeinsam gegen Gewalt» (auszugsweise)

 
 


Jede Religion hat ein verbindendes Element in der Gemeinschaft ihrer Mitglieder. Die Religionen haben oder besser sollten eine verbindende Gemeinsamkeit haben, die interreligiöse Zusammenarbeit ermöglicht, ohne die Eigenständigkeit der einzelnen Bekenntnisse aufzugeben, aber auch ohne die anderen überzeugen zu wollen, dass gerade ihre Religion die einzig selig machende sei.

Religionen sind länderübergreifend, daher müssen wir aufhören, sie einzelnen Ländern zuzuordnen. Es kann nicht angehen, dass einzelne Staaten die Religion missbrauchen, um aus ihr die Grundlage für ihre gewalttätigen, speziell für ihre terroristischen, Akte und Aktionen herzuleiten, oder um die Aktionen einzelner Gewalttäter und deren Organisationen zu unterstützen, und vor aller Welt gut zu heißen.

Es ist die Aufgabe aller Religionen, und es ist deren Pflicht, gemeinsam den Weg zu suchen und dann zu gehen, um gegen Gewalt aufzutreten.

In jeder Religion gibt es Menschen, ob in führender Position oder als einfache Angehörige, die ihre Bereitschaft zum Dialog bekundet haben. Leider gibt es auch diejenigen, die für keinen Dialog zur Verfügung stehen. Es kommt auf den Willen zum Dialog an, und ich bin überzeugt, dass dieser Wille bei vielen vorhanden ist; es kommt aber auch und vor allem auf Überzeugungskraft an, und dass alle Partner des religiösen Dialogs zur Überwindung der Gewalt bereit sind. Ehrlich und offen, nicht theologisch, sondern menschlich, muss das Gespräch geführt werden, um die Menschen, alle Menschen, Politiker, Militärs, den Mann auf der Straße zu erreichen und sie zum positiven Handeln zu bewegen.

Ehrlichkeit und Offenheit sind Grundvoraussetzungen dafür, dass das Motto «Religionen gemeinsam gegen Gewalt» zu einer Welle der Solidarität wird.

Jede Religion für sich ist wie ein schwaches Seil. Knüpfen wir die vielen schwachen Seile zu einem gewaltigen Trosse zusammen, die stark ist und nicht unter den Belastungen brechen wird, nur dann - so hoffe ich - können wir etwas bewirken, können wir der Gewalt die Stirn bieten.

Die Religionen können ihren Standpunkt gegen Gewalt nur zum Ausdruck bringen und Forderungen stellen, wenn ein gemeinsames, von allen getragenes Konzept vorliegt.

Möge jedem Einzelnen und jeder Religionsgemeinschaft sein und ihr Gott, ihr höheres Wesen - und der Glaube an ihn - die Einsicht und die Kraft geben, für eine große Gemeinsamkeit positiv zu kämpfen. Dazu müssen die Verantwortlichen jeder Religion, jeder Glaubensrichtung unterstützt werden im Kampf gegen Gewalt, gegen eine Gewalt, die Andersdenkenden gegenüber ausgeübt wird, gegen Gewalt jeglicher Art. Auf diesem gemeinsamen Weg der Bekämpfung von Gewalt und Terrorismus, ob religiös oder politisch motiviert, könnten wir erfolgreich sein.

 

Links
Zentralrat der Juden

www.juden.de

 

 

 



Veranstalter:

Arbeitskreis für den Weltreligionstag
Bahá'í Gemeinde Stuttgart
Friesenstr. 26 - 70435 Stuttgart
Tel. (07 11) 80 60 71 47

 
 

 


stuttgart@weltreligionstag.de